Diese Frage stellte mir letzte Woche eine Frau, die ich erst kürzlich kennengelernt hatte, bei unserem ersten „richtigen“ Gespräch. Deshalb irritierte mich, was da alles in dieser Frage mitschwang:
- Warum wählt sie den Ausdruck „Stempel aufdrücken“?
- Was bedeutet dieser leicht abwertende Ton in ihrer Frage?
- Was bedeutet der Gesichtsausdruck mit den hochgezogenen Augenbrauen?
Ich weiß inzwischen, dass diese Frage nicht dazu diente, mich zu verunsichern, sondern tatsächlich aus Neugier und aus einer schlechten Erfahrung heraus
(mit einer Person, die leider das Wort Hochsensibilität nutzt, um selbst nicht Verantwortung für sich zu übernehmen, sondern es von anderen einzufordern, sich entsprechend um sie zu kümmern).
Heute bin ich ihr dankbar für diese Frage. Ich möchte sie aber gerne umformulieren:
Warum könnte es hilfreich sein, nicht nur zu WISSEN, dass man hochsensibel ist, sondern auch dies seiner Umgebung mitzuTEILEN. Was bringt dieses „Ettikett“?
Ich möchte es mal mit einem Bild und einer Gegenfrage beantworten:
Warum sagst du „Suppe“ und nicht einfach nur Essen?
Warum sagst du „Lieferwagen“ und nicht einfach nur Auto?
Du weißt genauer worum es sich handelt und erwartest zum Beispiel von einer Suppe nicht sie mit einer Gabel essen zu können.
Es geht um den Umgang mit sich selbst, den Erwartungen an sich selbst und die Kommunikation dessen „was man kann und nicht kann“ an das Umfeld, um ein gutes Miteinander zu schaffen.
Das Gehirn von Hochsensiblen funktioniert anders. Es ermüdet deshalb schneller. Allein das zu wissen, war eine Information, die die ganzen Jahre von „Was stimmt nicht mit mir?“ aufzulösen begann. Mein WISSEN über MICH SELBST erweiterte sich. Und zwar auch über meine Fähigkeiten. Welch eine Erleichterung! Jaa, ich bin einfach „nur“ echt krass hochsensibel! Yay!
Und das Teilen „Ich bin übrigens hochsensibel“ ist die Einladung an die Umwelt, zu erfragen „Wie äußert sich das bei dir genau?“ Um hier Verständnis zu fördern und falschen Erwartungen entgegenzuwirken. Um tatsächlich Verantwortung fürs eigene Wohlbefinden, fürs eigene Leben zu übernehmen, die eigenen Grenzen besser zu kommunizieren und seine Fähigkeiten lieben zu lernen, sie mit der Welt zu teilen.